Kulturhaus
Kulturzentrum Peter Edel vor der Sanierung
Das Gemälde zeigt das ehemalige Kulturhaus Peter Edel an der Berliner Allee in Berlin-Weißensee. Das traditionsreiche Gebäude blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück, die weit vor die DDR-Zeit reicht. Seine Ursprünge liegen im Jahr 1885, als an dieser Stelle eine Brauerei entstand. Bereits ein Jahr später wurde ein Restaurant errichtet, das sich zu einem beliebten Ausflugsziel am Weißen See entwickelte. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Anlage um einen großen Festsaal erweitert. Der repräsentative Saal mit seinen neobarocken Schmuckelementen wurde ab 1927 auch als Kino genutzt. Nach einer Erweiterung im Jahr 1929 verfügten die „Lichtspiele Schloss Weißensee“ über rund 1.550 Plätze und gehörten damit zu den größten Kinos der Umgebung. Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich die Nutzung des Hauses erneut. Zunächst entstand hier ein Volkshaus, zeitweise mit dem Restaurant „Café Moskau“. Ab 1962 entwickelte sich das Gebäude zum Kreiskulturhaus Weißensee, einem bedeutenden kulturellen Treffpunkt im Berliner Nordosten. Hier fanden Konzerte, Tanzveranstaltungen, Jugendweihen, Theateraufführungen, Diskotheken und andere gesellschaftliche Ereignisse statt. Viele Weißenseer verbinden mit dem Haus persönliche Erinnerungen. 1984 erhielt es den Namen des Schriftstellers und Grafikers Peter Edel (1921–1983), der als Jude und politisch Verfolgter mehrere nationalsozialistische Konzentrationslager überlebt hatte. Auch nach der Wiedervereinigung blieb das Haus zunächst ein Kulturstandort. Besonders bekannt waren die sogenannten Gundermann-Partys, die an den Liedermacher Gerhard Gundermann erinnerten. Die letzte dieser Veranstaltungen fand im Oktober 2007 statt. Doch das Gebäude war inzwischen sanierungsbedürftig geworden. Für eine umfassende Instandsetzung fehlten lange Zeit die Mittel. Nach dem Ende des regulären Kulturbetriebs folgten verschiedene Zwischennutzungen. Unter anderem arbeitete hier das internationale Künstlerkollektiv Wallywoods, dessen Mitglieder die Innenräume mit Tausenden von Zeichnungen gestalteten. Schließlich stand das Haus über längere Zeit weitgehend leer und verfiel zunehmend. Ich fuhr damals häufig auf dem Weg zum Weißen See an diesem Gebäude vorbei. Seine verlassene Erscheinung faszinierte mich. Es hatte etwas Eigenartiges, beinahe Mystisches: ein großes, verschlossenes Kulturhaus, in dem über Jahrzehnte Menschen gefeiert, getanzt, Musik gehört und sich begegnet waren. Nun herrschte dort Stille. Diese Situation erinnerte mich auch an andere verlassene Kulturgebäude Berlins, beispielsweise das ehemalige Ambulatorium auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain, in dem früher Theater gespielt wurde. Mich beschäftigte die Frage, weshalb solche Orte, die eigentlich für das kulturelle Leben geschaffen wurden, irgendwann ihre Funktion verlieren und jahrelang leer stehen. Lange befürchtete ich, dass auch das Peter Edel eines Tages seinen ursprünglichen Charakter verlieren und etwa in gewöhnliche Gewerbeflächen umgewandelt werden könnte. 2017 übernahm das Kommunale Bildungswerk das Gebäude und begann mit seiner umfassenden Sanierung. Die historischen Säle wurden restauriert, alte Schmuckelemente wieder sichtbar gemacht und neue Räume für Bildung und Veranstaltungen geschaffen. 2020 wurde das Haus als Bildungs- und Kulturzentrum Peter Edel wiedereröffnet. Heute verfügt es über Veranstaltungs- und Seminarräume, gastronomische Angebote und einen beeindruckenden historischen Festsaal. Besonders schön ist die Terrasse mit ihrem Blick auf den angrenzenden Park und den Weißen See. Die neue Nutzung muss vielleicht noch ihre eigene kulturelle Identität entwickeln, doch es freut mich sehr, dass dieses Gebäude erhalten geblieben ist. Das Gemälde entstand 2019, in der Übergangszeit zwischen dem jahrelangen Leerstand und der Wiedereröffnung. Die Architektur des Kulturhauses ist in eine expressive, farbintensive Collage aus Malerei, Berliner Plakatfragmenten und Schriftzügen eingebettet. Die überlagerten Farben und Formen stehen dabei in einem eigentümlichen Gegensatz zur damaligen Verlassenheit des Ortes. Das Werk wurde nach der hier dokumentierten Aufnahme noch weiterbearbeitet. Da sich das Original inzwischen in Privatbesitz befindet, zeigt die Fotografie eine frühere Fassung des Gemäldes.
- Digitaldruck
- DIN A4 · DIN A3
- Werk-ID
- AW_38
ab 20,00 €
Das Kulturhaus Peter Edel in Berlin-Weißensee, eingebettet in eine farbintensive Collage aus Malerei, Berliner Plakatfragmenten und Schriftzügen.“