Wagenburg – unterwegs, ohne wegzufahren
Wagenburgen sind eine besondere Form alternativen Lebens. Sie erinnern kaum an amerikanische Trailer-Siedlungen oder deutsche Dauercampingplätze. Der entscheidende Unterschied liegt in ihrer sozialen und kulturellen Funktion. Berliner Wagenplätze sind häufig Teil einer städtischen Subkultur und mit Selbstorganisation, gemeinschaftlicher Nutzung und alternativen Wohnformen verbunden. Berlin hat eine lange Geschichte solcher Wagenplätze. Besonders in Friedrichshain und Kreuzberg konnten mehrere Standorte trotz wachsendem Nutzungs- und Verwertungsdruck erhalten bleiben. Dahinter stehen politische Entscheidungen, Verhandlungen mit Bezirken und Eigentümern sowie das Engagement der jeweiligen Bewohnerinnen und Bewohner. Wagenburgen dienen dabei nicht ausschließlich dem Wohnen. Je nach Standort gibt es Werkstätten, Gemeinschaftsflächen, Veranstaltungsräume, Gärten und soziale Angebote. Manche Plätze werden dauerhaft bewohnt, andere teilweise oder zeitweise genutzt. Die Wagenburg am Mauerplatz liegt zentral in Kreuzberg. Unmittelbar angrenzend befindet sich der Kinderbauernhof am Mauerplatz. Dort werden unter anderem Ponys, Esel, Schafe, Ziegen und Geflügel gehalten. Der Bauernhof ist ein offener pädagogischer Ort für Kinder, Jugendliche, Schulklassen und Familien. Rechtlich ist der Standort kein klassischer Campingplatz und auch keine Kleingartenanlage nach dem Bundeskleingartengesetz. Der Kinderbauernhof befindet sich auf bezirklichem Grund und ist dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe zugeordnet. Der Standort wurde politisch gesichert und als sozialer und pädagogischer Ort erhalten. Ein Wagen könnte weiterfahren. Hier bleibt er stehen. Und vielleicht liegt gerade darin die besondere Idee einer Wagenburg: auf der Reise zu sein, ohne ständig unterwegs sein zu müssen.
Wagenburg am Kinderbauernhof Mauerplatz
- Jahr:
- 2017
- Technik:
- Acryl und Collageelemente auf Leinwand
- Maße:
- 120 x 180 cm
- Werk-ID:
- AW_18
- Status:
- Original nicht verfügbar
Mitten in Kreuzberg verbindet die Wagenburg am Mauerplatz alternative Wohn- und Gemeinschaftsformen mit einer fast ländlichen Idylle. Der Wagen steht für Mobilität und Aufbruch, bleibt hier jedoch an einem Ort: eine Reise weniger durch die Landschaft als zu einer anderen Form des städtischen Lebens.