Clärchens Ballhaus – sichtbare Schichten der Berliner Geschichte
Berlin war lange vor der Zeit der Clubs und Diskotheken eine Tanzstadt. Ballhäuser gehörten im 19. und frühen 20. Jahrhundert zum städtischen Leben. Clärchens Ballhaus in der Auguststraße wurde 1913 eröffnet und ist einer der wenigen erhaltenen Orte dieser Berliner Tanzkultur. Das Vorderhaus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Danach blieb an der Straße eine Lücke zurück. An den freigelegten Wänden waren noch Spuren früherer Räume und Geschosse zu erkennen. Solche Abrissspuren wirken wie Schnitte durch ein Gebäude: Innenräume werden zu Außenwänden, Grundrisse und frühere Nutzungen bleiben als Linien und Flächen sichtbar. Gerade dieser Zustand prägte lange die Wahrnehmung des Ortes. Wer die Geschichte des Hauses nicht kannte, konnte die Situation zunächst für eine gewöhnliche Berliner Baulücke halten. Hinter dieser Lücke befand sich jedoch weiterhin das Ballhaus. Das Gemälde verbindet diese architektonischen Spuren mit Plakaten, Schriftfragmenten und Bildern aus der Umgebung. Es zeigt deshalb keine dokumentarische Ansicht von Clärchens Ballhaus, sondern verschiedene Zeitschichten an einem Ort: die frühere Tanzkultur, Kriegszerstörung, Nachkriegsstadt und die wechselnden Bilder und Plakate der Gegenwart. Auch das Tanzen selbst verbindet verschiedene Epochen Berlins. Was heute Clubs, Diskotheken oder Tanzveranstaltungen sind, fand früher in Ballhäusern statt. Clärchens Ballhaus steht für diese Kontinuität. Im Bild bleibt vor allem die Fassade als Träger von Geschichte wichtig. Fehlende Gebäudeteile, sichtbare Abrisskanten, ehemalige Innenräume und Plakatflächen werden zu Bestandteilen der Malerei. Die Geschichte des Ortes zeigt sich dabei nicht nur in dem, was erhalten geblieben ist, sondern auch in dem, was fehlt.
Clärchens Ballhaus
- Jahr:
- 2017
- Technik:
- Öl, Acryl auf Leinwand
- Maße:
- 160 x 220 cm
- Werk-ID:
- AW_15
- Status:
- Original nicht verfügbar
Das großformatige Gemälde ist auf einen etwa vier bis fünf Zentimeter tiefen Keilrahmen gespannt und besitzt dadurch eine starke räumliche Präsenz. Die intensive Farbigkeit, Plakatfragmente und architektonischen Spuren verdichten sich zu einer vielschichtigen Ansicht von Clärchens Ballhaus und seiner Geschichte.