Arbeitsräume · Berlin
Kunsthaus Tacheles
2009–2012
Meine Zeit im Kunsthaus Tacheles gehörte zu den wildesten und prägendsten Phasen meiner künstlerischen Praxis. In den letzten Monaten bestimmten Verhandlungen, Räumungen und Schlagzeilen über die Rettungsversuche des Hauses den Alltag. Das Ende rückte näher, auch wenn lange unklar blieb, wann es kommen würde.
Im Tacheles war ständig etwas los. Die Atmosphäre war dicht, laut und oft so chaotisch, dass kaum Zeit für konzentrierte Arbeit blieb. Gleichzeitig entstanden dort Begegnungen und Projekte, die anderswo unmöglich gewesen wären. Ich leitete einen Kunstkurs, organisierte Aktzeichnen und porträtierte mit den Teilnehmern Menschen aus der Berliner Kunst- und Kulturszene. Dabei entdeckte ich meine Leidenschaft für das Porträt.
Gemeinsam mit Kollegen arbeitete ich performativ auf der Bühne, beteiligte mich an Demonstrationen und nahm an einer der letzten Jahresausstellungen teil. Doch die Bedingungen verschlechterten sich. Dem hoch verschuldeten Verein wurden Wasser und zeitweise auch Strom abgestellt. Wir sammelten Regenwasser in einem Container.
Durch gerichtliche Entscheidungen wurde das Gebäude nach und nach leer. Zeitweise durften wir unsere Ateliers kaum noch betreten. Konflikte und Räumungen wechselten einander ab. Nachdem Kino, Café Zapata und Skulpturengarten das Gelände 2011 gegen eine Abfindung von insgesamt rund einer Million Euro verlassen hatten, war das Tacheles, das ich gekannt hatte, weitgehend verschwunden. Übrig blieb der Kunstverein mit den Ateliers in der dritten, vierten und fünften Etage.
Das Gebäude war heruntergekommen, viele Räume waren unbenutzbar, die Gemeinschaft löste sich auf. Schließlich gaben wir auch unser Atelier gegen eine Abfindung im Sommer 2012 auf. Die Verantwortung für das Scheitern lag nicht allein bei den Eigentümern und der Politik. Auch innerhalb des Kunstvereins wurden Kompromisse mit Senat, Bezirk und Eigentümern abgelehnt. Radikale Positionen verhinderten möglicherweise den Erhalt des Tacheles in veränderter Form.
Meine Tacheles-Phase endete sehr glücklich: mit einer Hochzeit und der Geburt meines ersten Sohnes. Den Heiratsantrag machte ich 2011 auf dem Dach des Tacheles. Meine Frau war ebenfalls Künstlerin und hatte dort ein Atelier.





















