Arbeitsräume · Berlin
Zwischennutzungen
2007–2009
Nach meinem Abschied von den B.L.O.-Ateliers fand ich im Modezentrum Mitte eine großzügige Fabriketage. Für den beinahe unglaublichen Mietpreis von einem Euro pro Quadratmeter konnten wir dort als Künstlerinnen und Künstler Ateliers beziehen. Die Freude hielt jedoch nur kurz an. Eine niederländische Immobiliengesellschaft kaufte das Gelände und kündigte die Räume.
Schnell fanden wir einen neuen Ort in der Nähe des Südkreuzes. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion zogen wir kurz vor Silvester vollständig um. Wenig später erfuhren wir, dass die Räume wegen Problemen mit der Stromversorgung doch nicht als Ateliers genutzt werden konnten. Später wurden ausgerechnet diese Räume vom BBK zu Künstlerateliers umgebaut.
Nach erneuter Suche fanden wir eine Fabriketage in der Kiefholzstraße. Ich zog erleichtert ein, doch schon bald bemerkte ich wieder den vertrauten Bitumengeruch. Einige meiner Bilder hatten den Geruch bereits angenommen. Diesmal wandte ich mich direkt an die zuständige Liegenschaftsverwaltung des Landes Berlin.
Die Räume wurden schließlich saniert. Inmitten dieser Zwischennutzungen und Umzüge entstand eine Werkphase, die ich rückblickend als meine „Himmel über Berlin“-Phase bezeichne. Ich malte großformatige Stadtlandschaften aus der Vogelperspektive. Straßen, Dächer und Häuser verdichteten sich zu einem beinahe abstrakten Teppich, den ich mit der Genauigkeit einer musikalischen Komposition aufbaute.
Die heute selbstverständlichen hochauflösenden Luftbilder und Drohnenaufnahmen standen mir damals noch nicht zur Verfügung. Deshalb flog ich von Tempelhof aus mit einem Hubschrauber über Berlin, um eigenes Fotomaterial für meine Bilder anzufertigen. Trotzdem fehlte mir die Gemeinschaft mit anderen Künstlern. Bei der ersten Gelegenheit verwirklichte ich deshalb einen lang gehegten Wunsch und schloss mich der Ateliergemeinschaft im Kunsthaus Tacheles an.
Ich flog über Berlin und landete schließlich im Chaos, mitten im Leben.










